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Benn glaubte nicht, dass der Mensch gut sei, glaubte nicht, dass sein Wesen rational und alle seine Leiden "hygienisch und sozial bekämpfbar" seien - und grenzte sich damit auch fundamental von Becher und
Brecht ab, die beide an die Möglichkeit der Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft - einer humanen, gerechten, klassenlosen, also nicht ausbeuterischen, friedliebenden, alle Antagonismen überwunden habenden
Gesellschaft - glaubten. Und kaum etwas zeigt diese weltanschaulichen Unterschiede - und die Grundüberzeugungen der drei Dichter - deutlicher auf als die 3 Gedichte, die an diesem Abend gelesen und interpretiert
werden sollen (Zu Bechers "Die Partei" und zu Brechts "Gegen Verführung" vgl. die Texte der beiden entsprechenden Lesungen) .
Hier das dritte Gedicht (Benns "Nur zwei Dinge"):
Durch soviel Formen geschritten, durch Ich und Wir und Du, doch alles blieb erlitten durch die ewige Frage: Wozu?
Das ist eine Kinderfrage. Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage - ob Sinn, ob Sucht, ob Sage - dein fernbestimmtes: Du mußt.
Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere, was alles erblühte, verblich, es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.
Abendkasse
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